Regionaler Telekomanbieter auf Erfolgskurs

Die GAG (Gemeinschaftsantennen-Anlage Region Grenchen AG) versorgt in der Stadt Grenchen und in 15 umliegenden Gemeinden rund 23‘000 Kunden mit Telekomdiensten. Das privatwirtschaftlich geführte Unternehmen ist im Besitz mehrerer Gemeinden aus den Kantonen Bern und Solothurn. Seit Bestehen haben sich Geschäftsführung und Verwaltungsrat laufend mit der Entwicklung der Telekomdienste und mit der erforderlichen Netzinfrastruktur auseinandergesetzt. Im Vergleich mit anderen KNU steuerte die GAG schon früh in Richtung FTTH. «Ein weiterer Schritt Richtung Glasfaserzukunft» lautete der Titel eines Berichtes in unserem Focus vom September 2013.

Wir fragen rund sieben Jahre später mit folgendem Interview beim Geschäftsführer Kurt M. Hohler nach: Welches waren Ihre Schwerpunkte der letzten Jahre? 

Während wir schon früh die Netze von «Grenchen Aare-Süd» modernisierten, haben wir in der Stadt Grenchen zwischen 2013 bis 2015 das HFC-Netz auf eine Bandbreite von 860 MHz ausgebaut. Mit diesem Netzupgrade erweiterten wir das Glasfasernetz und führten es näher zu unseren Kunden. Indirekt war dies der Startschuss für das zukünftig flächendeckende FTTH-Netz. Die bei der GAG zur Anwendung gelangte hybride Netzarchitektur kann mit Fiber-to-the-Last-Amplifier (FTTLA) umschrieben werden. Das heisst konkret, dass sich zwischen dem Node und dem Endkunden höchstens ein HF-Verstärker befindet.

In den Jahren 2016/2017 wurden die Netze in zwei weiteren Gemeinden mit derselben Netzarchitektur modernisiert und die Glasfasernetze ausgebaut.

Seit 2017 werden die HFC-Netze der restlichen Gemeinden auf eine Bandbreite von 1.2 GHz modernisiert. Die Arbeiten werden voraussichtlich im Verlaufe des Jahres 2021 abgeschlossen. Im Kontext der Modernisierungsstrategie hat die GAG konsequenterweise beschlossen, alle zuvor auf 860 MHz modernisierten Netze ebenfalls auf 1.0 GHz upzugraden. Dieses Upgrade erfolgt ausschliesslich durch den Ersatz des Aktivmaterials. Parallel werden seit 2018 vollwertige FTTH-Teilnehmeranschlüsse bei Neubau-Mehrfamilienhäusern und bei Businesskunden realisiert.

Wie gelangten Sie zu dieser Ausbaustrategie?

Die GAG hatte sich intensiv mit den Ausbauvarianten auseinandergesetzt. Nach dem Abwägen aller Faktoren hatte die GAG entschieden, den zukunftsgerichteten und finanzierbaren Weg zu gehen. Das heisst, «Evolution statt Revolution» in den Netzbandbreiten und ganz speziell im Glasfasernetzausbau.

In unserem Focus vom September 2013 wurden Sie, Herr Hohler, wie folgt zitiert: «Für den Ausbau des Kabelnetzes Grenchen hat Helltec eine Lösung erarbeitet, die technisch und wirtschaftlich überzeugt.» Haben wir zusammen alles richtig gemacht?

Ich bin überzeugt, wir haben sehr vieles richtig gemacht. Der pragmatische Lösungsansatz hat uns sowohl technisch als auch wirtschaftlich erlaubt, immer weiter zu modernisieren und so den stets steigenden Kundenbedürfnissen gerecht zu werden.

Seit über 18 Jahren arbeitet die GAG mit der Helltec sehr eng zusammen. Wie beurteilen Sie unsere langjährige Zusammenarbeit?

Wir werden von der Helltec jederzeit kompetent begleitet und beraten, wir schätzen die Zusammenarbeit sehr. Die Mitarbeiter von Helltec arbeiten sehr strukturiert, bringen viel Wissen ein und vereinen dank vielen langjährigen Mitarbeitenden ein grosses Know-how.

Wir durften die GAG auch beim Aufbau der gesamten HF- und LWL-Netzdokumentation unterstützen und begleiten. Welchen Stellenwert hat eine gute Netzdokumentation?

Planen und bauen ist das eine, eine gute Netzdokumentation das andere. Eine professionelle und aktuelle Netzdokumentation ist, insbesondere bei FTTH und unter dem Aspekt einer schnellen und zielgerichteten Vermarktung von verfügbaren Glasfasern, unerlässlich. Helltec ist in der Schweiz der spezialisierte Dienstleister für Planung und Dokumentation. Wir konnten von der immensen Erfahrung der Helltec Mitarbeitenden profitieren und sind glücklich, dass wir auf eine aktuelle und qualitativ hochstehende Netzdokumentation zurückgreifen können und so die Netzverfügbarkeit weiter erhöhen konnten.

Die GAG konnte für 2019 ein Rekordergebnis vermelden. Was ist ihr Erfolgsrezept?

Als Partnerin der Allianz von Quickline können wir die Kundenbedürfnisse mit modernen, leistungsfähigen und qualitativ hochstehenden Telecom-Diensten abdecken. Wichtig dabei sind ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis sowie engagierte und kompetente Mitarbeiter, um Privat- und Geschäftskunden von der Leistungsfähigkeit eines regionalen KMU zu überzeugen. Um höchste Verfügbarkeit und Qualität sicherzustellen, spielen zudem ein solides wirtschaftliches Planen und Handeln sowie eine zukunftsgerichtete Investitionspolitik in die technische Infrastruktur – unter anderem DOCSIS 3.1– eine entscheidende Rolle.

Nach vielen Jahren in der Telecom- und Kabelbranche gehen Sie Ende Februar 2021 frühzeitig in Pension. Wie beurteilen Sie den Schweizer Kabelmarkt?

Es gibt wohl kaum eine andere Branche, in der Kunden von so vielen Vorleistungen und  Gratisangeboten profitieren können, der Markt ist sehr kompetitiv und ideal für die Endkunden.  Für kleine und mittlere Unternehmen wird es anspruchsvoller, das Geschäftsmodell «Kabelnetzbetreiber» mit einem Full-Service-Angebot aufrecht zu erhalten. Es gilt stets eine Wertsteigerung für die Aktionäre zu erreichen, um langfristig den eigenen Fortbestand zu sichern Ohne Zusammenschluss mit anderen KNU, wie beispielsweise der Quickline-Verbund, wird es kaum mehr möglich sein Skalenvorteile zu erreichen und Kunden zu gewinnen.  Anderseits sind diese KNU vermehrt auf externe Kompetenzen angewiesen, beispielsweise für Planung und Projektmanagement. Wir bauen dazu auf professionelle Lieferanten und Partner wie Helltec Engineering AG.

Herr Hohler, für die jahrelange, sehr angenehme und wertschätzende Zusammenarbeit danken wir Ihnen bestens und wünschen Ihnen für Ihren neuen Lebensabschnitt alles Gute!